Die Entstehung des Häusersystems in der Astrologie

Die Einteilung des Horoskops in Häuser gehört zu den ältesten Elementen der Astrologie. Ihre Wurzeln reichen zurück bis in die Antike, insbesondere in die Zeit der hellenistischen Astrologie, die sich etwa zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem 3. Jahrhundert n. Chr. im Raum des östlichen Mittelmeers entwickelte.

In dieser Zeit verbanden sich verschiedene Wissensströme. Die Astrologie begann mit den Himmelsbeobachtungen der Babylonier, wurde durch die mathematische Präzision der Ägypter verfeinert und durch das philosophische Denken und die Mythologie der Griechen erweitert und vertieft.
Aus dieser Verbindung entstand erstmals das Horoskop, wie wir es heute kennen – als Abbild des Himmels im Moment der Geburt.

Während die Tierkreiszeichen den Himmel als festen Kreis beschreiben, brachte die hellenistische Astrologie eine neue und grundlegende Idee. Der entscheidende Gedanke dabei war, den Himmel vom Standpunkt eines Menschen auf der Erde aus zu betrachten.
Konkret bedeutet das: Nicht nur was am Himmel ist, sondern wie es sich für den Menschen an einem bestimmten Ort zeigt, wird bedeutsam.
Aus dieser Perspektive ergeben sich vier zentrale Punkte, die bis heute die Grundlage jedes Horoskops bilden:
Aszendent (AC) – der Punkt, an dem der Tierkreis aufgeht (Osten)
Deszendent (DC) – der Punkt, an dem er untergeht (Westen)
Medium Coeli (MC) – der höchste Punkt am Himmel (Mittagspunkt, Süden/Norden*)
Imum Coeli (IC) – der tiefste Punkt (Mitternachtspunkt, Norden/Süden*)

(*Das ist ein wenig kompliziert: Die Sonne geht überall im Osten auf, und im Westen unter. Aber auf der Nordhalbkugel wandert sie im Uhrzeigersinn, auf der Südhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn. Und Richtung Sonne gesehen ist auf der Nordhalbkugel Osten links, auf der Südhalbkugel rechts. Und der Mittags- / Mitternachtspunkt ist deshalb als Richtung vertauscht für die beiden Halbkugeln.)

Diese vier Punkte bilden die Grundstruktur des Horoskops und teilen den Kreis zunächst in vier Bereiche: Ich (AC), die Welt (DC), Innen (IC) und Außen (MC).

Ausgehend von diesen vier Hauptpunkten entwickelte sich die Einteilung in zwölf Häuser.
In der frühen Astrologie geschah dies zunächst relativ einfach, indem man den Raum zwischen den Achsen in gleich große Abschnitte teilte. Später entstanden verschiedene mathematische Systeme, um diese Einteilung genauer zu berechnen: die sogenannten Häusersysteme (z. B. Placidus, Koch, Ganzzeichenhäuser; bei Ashora verwenden wir das Berechnungsverfahren nach Placidus).
Trotz unterschiedlicher Berechnungsmethoden bleibt die Grundidee immer gleich. Die Häuser zeigen, wie der Himmel in das Leben eines Menschen hineinwirkt und durch diese Einteilung entsteht ein Kreis, der nicht nur den Himmel abbildet, sondern auch eine symbolische Lebensordnung darstellt.
Der Aszendent markiert den Beginn im 1. Haus, also den Moment der Geburt. Von dort aus entfaltet sich das Leben in zwölf Erfahrungsbereiche, die das Selbst, Werte, Denken, Herkunft, Beziehungen, Berufung und das Unbewusste umfassen.

Die Häuser entstanden also aus dem Beweggrund, bzw. der Erkenntnis, den Himmel nicht nur abstrakt zu betrachten oder zu beobachten, sondern ihn in Beziehung zum Menschen zu setzen. Sie zeigen seinen individuellen Standpunkt, die Lebensbereiche und den Weg, auf dem sich das Leben entfaltet. So spiegelt sich eine jeweils ganz persönliche und einzigartige Geschichte.

Die 12 Häuser verbinden Himmel und Erde auf eine ganz besondere Weise. Der Himmel steht für das Universelle und die jeweiligen Häuser übersetzen dieses Universelle ins Persönliche.
Die Sternzeichen beschreiben die Qualität, die Planeten die Energie und die Häuser die Lebensbereiche.

In den nächsten Folgen stellen wir die Bedeutung der einzelnen Häuser vor, auch aus tiefenpsychologischer Sicht.

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